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Deutsche Wörter im Japanischen

Lehnwörter sind ein gängiges Phänomen in jeder Sprache – ob aus modischen Gründen, oder um fremde Konzepte zu beschreiben für die es in der eigenen Sprache keinen entsprechenden Begriff gibt. Gerade in unserer vernetzten Welt kommt es immer wieder vor, dass Wörter aus anderen Sprachen übernommen werden. Wortentlehnungen kamen aber nicht erst mit der Globalisierung – schon immer kam mit dem Kontakt zu anderen Kulturen auch ein gewisser Austausch. Mit der Zeit können solche Entlehnungen so gut in unser Leben integriert sein, dass sie uns schon gar nicht mehr als ‚fremde‘ Wörter auffallen.

Auch Deutsche Wörter fanden auf diesem Weg Einzug in andere Sprachen – so sind Begriffe wie Kindergarten, Doppelgänger, Schadenfreude, Zeitgeist, oder Wanderlust längst im Englischen bekannt und integriert. Genauso gibt es Deutsche Lehnwörter im Japanischen.

Auf Japanisch heißen diese Lehnwörter übrigens gairaigo (外来語 „von außen kommendes Wort“). Vor allem die Entlehnungen aus dem Chinesischen liegen weit zurück, und sind mittlerweile ununterscheidbar ins Japanische übernommen und integriert. Die überwiegende Mehrheit von Lehnwörtern heutzutage kommt aus dem Englischen, aber auch Portugiesisch, Niederländisch und eben Deutsch sind häufige Quellen. Diese Wörter machen rund 10% des japanischen Vokabulars aus – eine beachtliche Menge, was Japanisch wohl zu einer der ‚aufnahmefreundlichsten‘ Sprachen macht.

Was Lehnwörter mit Katakana zu tun haben, aus welchen Bereichen vorwiegend Deutsche Wörter geliehen wurden, und welche Deutsch-Japanischen Lehnwörter man unbedingt kennen muss, haben wir in diesem Artikel zusammengefasst.

 

Aussprache und Schreibweise

Bei der Aussprache von Lehnwörtern im Japanischen gibt ein paar wichtige Besonderheiten. Wörter, die ins Japanische übernommen werden, werden nämlich ausnahmslos an das japanische Sprachsystem angepasst. Das bedeutet, dass die Aussprache fremder Wörter mittels japanischer Laute nur nachgeahmt wird. Durch diese phonetische Annäherung können Lehnwörter teilweise so verfremdet (bzw. „Japanisch“) wirken, dass wir sie im ersten Moment oft gar nicht als ‚Deutsch‘ oder ‚Englisch‘ wahrnehmen. Ein Tipp: Wenn man im Japanischen ein Lehnwort verwenden möchte, ist es daher auch wichtig, sich an diese japanische Aussprache zu halten – zumindest, wenn man auch wirklich verstanden werden möchte.

 

Ein paar Beispiele:

Im Japanischen gibt es keinen Unterschied zwischen den Lauten ‚l‘ und ‚r‘ – aus dem Englischen table wird so tēberu (テーブル).  Zudem gibt es im Japanischen außer dem ‚n‘ Laut keine allein stehenden Konsonanten, sondern nur Konsonant-Vokal Verbindungen (z.B. ka, ke, ki, ko, ku). Fremde Lehnwörter, die einzelne Konsonanten aneinanderreihen können im Japanischen nur mit Zwischen-Vokal ausgesprochen werden. Durch die zusätzlichen Silben werden sie oft verlängert. Besonders lange oder mehrteilige Begriffe werden darum auch oft kombiniert oder abgekürzt, wie zum Beispiel costume play zu kosupure (コスプレ), oder convenience store zu konbini (コンビニ).

Wie Sie an den Beispielen eben bestimmt gemerkt haben: Auch durch ihre Schreibweise sind Lehnwörter leicht zu erkennen. Für Lehnwörter oder andere nicht-Japanische Wörter werden im Japanischen nämlich grundsätzlich Katakana (カタカナ) verwendet.

Kurz zur Erklärung: Katakana gehören neben der Hiragana und Kanji zu den drei Zeichenarten des japanischen Schriftsystem. Kanji (漢字) sind all jene komplexen Schriftzeichen, die aus dem chinesischen Zeichensystem entnommen wurden – ein Zeichen steht dabei für ein ganzes Wort (wie zum Beispiel das eingangs erwähnte 外来語). Hiragana (ひらがな) sind genauso wie Katakana ein Silbenalphabet – sie werden für die Umschrift von Kanji und für grammatikalische Partikel verwendet. Katakana dagegen werden für all jene Wörter verwendet, die nicht aus dem Japanischen stammen, wie zum Beispiel Namen, Länder - oder eben Lehnwörter aus anderen Sprachen.

Das Gute daran: so kann man Lehnwörter auch ganz leicht erkennen.

 

Wie Deutsche Wörter ins Japanische kamen

Um zu verstehen, wie es Deutsche Wörter überhaupt ins Japanische geschafft haben, und welche Art von Vokabeln besonders gern entlehnt wurden, lohnt sich ein kurzer Blick auf die Geschichte Japans. Für mehr als 200 Jahre, während der sogenannten Edo-Zeit (1603-1868), verfolgte der Inselstaat als außenpolitische Maßnahme eine regelrechte Isolation Japans vor westlichen Einflüssen. Kontakt und Handel zu Europa wurde zu der Zeit ausschließlich über die Holländer gepflegt. Erst während der darauffolgenden Meiji-Ära (1868-1912) wurde Japan wieder langsam für Handelsbeziehungen und sonstigen Austausch geöffnet. Ziel war es nun, auch die Kenntnisse anderer Länder bewusst zur eigenen Entwicklung zu nutzen. So wurde Japan durch viele westliche Ideen, Technologien und wissenschaftliche Erkenntnisse geprägt.

Deutschland war in vielerlei Hinsicht ein Vorbild, und so erfolgte ein reger Austausch - zum Beispiel im Bereich der Medizin. Japan übernahm sogar das medizinische Ausbildungssystem aus Deutschland. Das führte dazu, dass viele deutsche Ärzte als Professoren in Japan unterrichteten. Ebenso viele Japaner gingen umgekehrt nach Deutschland, um dort zu studieren. Auch in der Physik und Chemie war Deutschland Vorreiter. So wurde Deutsch damals sogar zur zweit-wichtigsten Wissenschaftssprache für Japan. In dieser Zeit fanden daher auch die meisten Deutschen Lehnwörter in die Japanische Sprache – hauptsächlich in der Form von Fachsprache.

Da Sie nun bestens über die Herkunft und Verwendung von Deutschen Lehnwörtern im Japanischen Bescheid wissen, wird es höchste Zeit, ein paar wichtige Beispiele kennen zu lernen:

 

7 Deutsche Lehnwörter im Japanischen

 

  1. arubaito (アルバイト)

Sowohl Japan als auch Deutschland sind für ihre enorme Arbeitsmoral bekannt. Kein Wunder also, dass es auch im Japanischen das Wort Arbeit gibt. Aber Achtung: dieses Lehnwort wird nicht mit der exakt gleichen Bedeutung verwendet wie im Deutschen! Arubaito bezeichnet nämlich ausschließlich Arbeit in Form eines Teilzeit- oder Nebenjobs – für die Hauptbeschäftigung wird immer noch der japanische Begriff 仕事 (shigoto) verwendet.

  1. karute (カルテ )

Wie eben erwähnt, stammt ein Großteil der Deutschen Lehnwörter aus dem medizinischen Bereich. Mit dem Lehnwort von Karte ist damit also nicht etwa eine Land- oder Kreditkarte gemeint, sondern die Patientenakte. Patienten nennt man übrigens auch kuranke (クランケ, für Kranke); es gibt wakuchin (ワクチン, für Vakzine), ope (オペ, für Operation), horumon (ホルモン, für Hormon) und rentogen (レントゲン, für Röntgen); man bekommt einen gipusu (ギプス, Gips) oder eine purotēze (プロテーゼ, Prothese), hat eine arerugii (アレルギー, Allergie) oder sogar eine noirōze (ノイローゼ, Neurose). Die Anzahl Deutscher Wörter in diesem Bereich ist unheimlich groß. Auch in den verwandten Gebieten der Physik und Chemie wird dies deutlich, unter anderem durch Wörter wie kurôru (クロール, Chlor) oder rakutâze (ラクターゼ, Laktase). Für einen medizinischen Aufenthalt sind Sie damit zumindest ein wenig gerüstet.

 

  1. ryukkusakku (リュックサック)

Zum Wandern darf eines auf keinen Fall fehlen: der Rucksack. Neben der Medizin sind es nämlich auch Begriffe aus dem Bergsteigen bzw. Skifahren, die ins Japanische Einzug gefunden haben. Nicht nur wegen der Anime-Adaption von Heidi aus den Schweizer Bergen haben die Japaner ein Faible fürs Bergsteigen. So findet man neben dem Rucksack auch Wörter wie gerende (ゲレンデ, für Gelände), aizen (アイゼン, für Steigeisen), zairu (ザイル, für Seil), pikkeru (ピッケル, für Eispickel), hyutte (ヒュッテ, für Hütte) oder shurāfu bzw. shurāfuzakku (シュラーフ bzw. シュラーフザック, für Schlafsack) im Japanischen. Beim nächsten Aufstieg auf den Fuji-San kann man so gleich mit dem passendem Fachvokabular beeindrucken.

  1. meruhen (メルヘン)

Ob Rapunzel, Rotkäppchen, Dornröschen, oder Hänsel und Gretel – die Märchen der Gebrüder Grimm sind weltweit bekannt. Auch in Japan. Kein Wunder also, dass der Begriff Märchen sogar im Japanischen für Fabeln, Sagen und Erzählungen verwendet wird. Die japanische Kultur ist übrigens selbst sehr reich an märchenhaften Volksgeschichten.

  1.   enerugī (エネルギー)

Nicht nur in der Physik und anderen technischen Belangen ein sehr wichtiges Wort: Energie. Auch das verwandte enerugisshu (エネルギッシュ, für energisch) kommt aus dem Deutschen.

An dieser Stelle könnte man natürlich auch anmerken, dass enerugī ebenso vom Englischen energy abgeleitet sein könnte. Tatsächlich ist es in manchen Fällen nicht so einfach, den wahren (sprachlichen) Ursprung festzustellen. Deutsch, Englisch und auch Niederländisch gehören allesamt zu den West-Germanischen Sprachen, und ähneln sich daher in vielen Wortstämmen. Ebenso hatten sie im Laufe der Zeit viel Kontakt zu Japan, aber auch Einfluss untereinander. In diesem Fall macht’s jedoch der feine Unterschied der Aussprache (‚g‘ Laut) aus.

Ein anderes Beispiel: beim Japanischen Wort für Deutschland, doitsu (ドイツ), ist man versucht zu glauben, es wäre ein Deutsches Lehnwort. In diesem Fall kommt es aber schon viel früher aus dem Niederländischen, nämlich von Duitsland. Ganz schön verwirrend!

  1. tēma (テーマ)

Sehr leicht zu erkennen, und auch in der Aussprache gleich dem Deutschen: das Thema. Auch die idē (イデー, Idee) oder das etwas schwieriger zu entziffernde raitomochîfu (ライトモチーフ, Leitmotiv) kommen jeweils aus der Übernahme von Wörtern aus dem Bereich der Philosophie.

  1. gumi (グミ)

Am Thema japanische Süßigkeiten kommen wir auch in dieser Liste nicht vorbei! Unter gumi versteht man jegliche Form von Fruchtgummi oder Gummibonbons. Ein weiterer süßer (und deutscher) Klassiker, der sich auch in Japan längst kultiger Beliebtheit erfreut, ist der baumukūhen (バウムクーヘン, für Baumkuchen)! Wem das nicht schmeckt, der kann immer noch auf den guten alten shutōren (シュトーレン, für Stollen) oder eine klassische torute (トルテ, Torte) zurückgreifen.


Fazit: Japanisch und Deutsch 

Wir geben zu, das waren sogar mehr als nur 7 Wörter. Auch wenn viele davon eher zu Spezial-Vokabular gehören, und es natürlich auch gebräuchliche japanische Synonyme gibt – zumindest ein paar zusätzliche Vokabel kann man sich so vielleicht leichter merken. Wer schon Japanisch-Kenntnisse hat, kann damit auf jeden Fall punkten. Gut aufzupassen gilt es dann nur bei der Verwendung: Bedeutungen können in anderen Kultur- und Sprachräumen oft sehr unterschiedlich sein, wie die Beispiele karute oder arubaito gezeigt haben. Der Kontext macht’s eben aus! Außerdem nicht zu vernachlässigen: die korrekte, japanische Aussprache.

Für Sprachanfänger werden diese Deutschen Lehnwörter für den Alltag in Japan zwar noch nicht ausreichen – aber sie sind in jedem Fall ein guter Anfang, um ein Gefühl für die Japanische Sprache zu bekommen. Um Japanisch zu lernen, braucht es dann ohnehin Unterstützung durch Unterricht oder zusätzliche japanische Lern-Materialien.

Wir finden es jedenfalls faszinierend, wie sehr sich Sprachen gegenseitig beeinflussen – und wie lustig Deutsch in anderen Sprachen klingen kann.

 

Artikel| 17.05.2022 | JapanischPopkultur

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